Schulpolitik in Hessen fällt durch den Eltern-TÜV

Kurz nach dem Start des neuen Schuljahres stellen Eltern die hessische Schulpolitik auf den Prüfstand. Mit einer Plakataktion machen Elternbeiräte aus dem Kreis Offenbach auf Mängel aufmerksam, die alle Reformbemühungen der letzten Jahre überstanden haben. Hessen liegt im bundesweiten „Bildungsmonitor“ auf dem 10. Platz.

  „Trotz aller Erfolgsmeldungen aus Wiesbaden läuft an den Schulen nicht alles rund“, berichtet Kreiselternbeiratsvorsitzende Michaela Kramer Schwarz (Rodgau). Ein Kernpunkt der Kritik: Trotz der versprochenen „Unterrichtsgarantie plus“ fallen nach wie vor Stunden aus.

„Hessens Schulpolitik fällt durch den Eltern-TÜV“ ist das Motto der Aktion, die sich an einem Vorbild aus dem Jahr 2003 orientiert. Damals beteiligten sich landesweit mehr als 130 Schulen. „So wie jedes Auto muss auch die Politik zum TÜV – und nicht nur bei den Wahlen“, sagt Michaela Kramer-Schwarz. Die Initiative ist unabhängig von Parteien, Verbänden oder anderen Institutionen.

An allen beteiligten Schulen präsentieren Mütter und Väter am 15. November um 12 Uhr mittags gleichzeitig ein Großplakat. Die lokalen Aktionen werden anschließend auf der Internetseite www.elternprotest2007.de mit Fotos dokumentiert. Dadurch wird die Breite des Protests deutlich.

Sechs Kritikpunkte haben sich in Diskussionen von Elternvertretern herauskristallisiert. Die Palette reicht von zu großen Klassen in zu kleinen Räumen bis zur erdrückenden Stofffülle im G8-Gymnasium. Die Eltern verbinden damit konkrete Forderungen. Passend zum Thema „TÜV“ werden die erkannten Mängel mit Begriffen aus der Autobranche assoziiert: Achsbruch, Rost an tragenden Teilen, Loch im Tank, Motorschaden, Bremsen defekt.

Auslöser der Initiative war die so genannte „Unterrichtsgarantie plus“, die an vielen Schulen nicht die erhoffte Wirkung bringt. Viele Schulleiter telefonieren sich früh morgens die Finger wund, um kurzfristig Aushilfskräfte zu bekommen. Oft müssen dennoch Klassen zusammengelegt oder mit Stillarbeit beschäftigt werden. Und wenn dann doch eine Aushilfe einspringen kann, ist an einen fundiert vorbereiteten Unterricht oft nicht zu denken. „Daran hat sich auch im neuen Schuljahr nichts geändert“, berichtet Michaela Kramer-Schwarz: „ Betreuung ist eben kein Unterricht.“  Abgesehen davon gehe die angebliche Garantie am Nachmittagsunterricht und an den Oberstufenschülern vorbei – denn „ U plus“ gilt nur bis zur 10. Klasse und bis zur sechsten Stunde.

Der TÜV-Stempel „durchgefallen“ bedeutet, wie beim Auto, kein endgültiges Urteil. Nachbesserungen sind möglich. Auch vor vier Jahren kam Kultusministerin Karin Wolff nachträglich doch noch durch den Eltern-TÜV. Damals ging es um Lehrer mit Zeitverträgen, die von Entlassung bedroht waren. Sie wurden weiter beschäftigt – zum Wohl der Schüler.

Weitere Informationen unter http://www.elternprotest2007.de/

Oktober 26, 2007. Schule.

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